„Zurück in die Zukunft“ – GuSp-Sommerlager – Flattnitz 2004

Ein Bericht über eine Reise in verschiedenste vergangene Zeiten – mit unserem Freund und Begleiter Slarti Bartfass!

Vortrupp

Nach etwa sechsstündiger Fahrt kamen Axel und ich mit dem Materialbus bei der ca. 1.520 m hoch gelegenen Wintertalerhütte an. Der letzte Teil des Weges vom Ort Flattnitz zur Hütte war ein echtes Erlebnis – bei Dunkelheit rumpelten wir die 9 Kilometer über die Schotterstraße hinauf und versuchten, den richtigen Weg zu finden. Endlich – nach längerem Suchen – waren wir dort. Wir übernachteten bei frischen Temperaturen im großen Holzschuppen bei der Lagerwiese.
Der Lagerplatz ist klein aber fein – und urig. Es gibt den großen und einen kleineren Unterstand, einen „Tanzboden“ mit „Almkegelbahn“, einen Pizzaofen, einen großen Feuerplatz, Wasser aus einer Quelle, Plumpsklo bei der Hütte. Die Dusche ist das Originellste: ein quadratischer Verschlag ohne Dach, darin eine Wanne und eine Brause, das Wasser kommt direkt aus der Quelle. Aaaah!
Am nächsten Tag fuhren bzw. gingen wir die Hikerouten ab. Axel ging bergsteigen und erkundete den Weg über den Hirnkopf (1.891 m), ich sah mir per Fahrrad den anderen Teil der Route (schön begehbare Wege Richtung Flattnitz) an. Dieser Ort mag vielleicht 200 Einwohner haben, es gibt dort mehrere Pensionen, von denen viele noch geschlossen haben. Das große Hotel „Flattnitzerhof“ ist zu verkaufen. Auf den Hirnkopf führen drei Schilifte. Es gibt noch eine kleine Kirche und einen Greißler, der am Vormittag und Nachmittag jeweils zwei Stunden offen hat. Der Ort hat keine Busanbindung mehr. Der nächste Arzt und der nächste größere Supermarkt sind im 22 km entfernten Mettnitz.
Am Anfang der Evolution war die Sintflut – am zweiten Erkundungstag goss es wie aus Kannen – und mit der Geschichte sollten wir am Lager ständig zu tun haben.

1. Tag – Ankunft

Da war doch dieser komische Typ namens Slarti Bartfass (oscarverdächtig dargestellt von Axel Gschaider) – ein zerstreut wirkender Wissenschaftler mit Kontaktlinsen, weißem Hemd und überdimensionaler Brille, der aus dem Jahr 2105 kam. Nein, es war nur sein Hologramm! Er kam jedenfalls aus einer Zeit, in der Zeitreisen schon erfunden sind und seine Mitarbeiter sind sehr viel in vergangene Zeiten gereist. Leider haben sie dort alles Mögliche falsch gemacht und die Zeitlinie derart in Unordnung gebracht, dass das den frühzeitigen Weltuntergang bedeuten könnte. Und die Wr. Neudorfer GuSp sollen es jetzt richten! Seine erste Bitte war, eine Time-Warp-Schlafkoje (= Zelt) zu errichten, damit wir nachts in eine neue Zeit wechseln können.

2. Tag – Altsteinzeit

Schon am Morgen erreichte uns der erste Auftrag von Slarti Bartfass. Seine Crew war in der Altsteinzeit unterwegs und wollte sich die Menschen dort genauer ansehen. Einer dieser Urzeitmenschen hatte gerade die Idee, wie er eine Hütte bauen könnte. Die Leute aus der Zukunft haben ihn so verwirrt, dass er diese Idee wieder vergessen hat und die Menschen in dieser Zeit weiterhin in Höhlen hausen und sich nicht weiterentwickeln.
Nun – durch den Bau von Kochstellen können die GuSp den Altsteinzeitmenschen weiterhelfen und dafür sorgen, dass aus Jägern und Sammlern sesshafte Bauern werden. Das Mittagessen wurde auf Barbarenart zubereitet: am offenen Feuer gegrillte Koteletts, Pilze und Zucchini. Am Abend waren die Kochstellen fertig und wir machten Apfelspalten und Früchte in Teig gebraten. Offenbar war die Kochkunst auch noch in den Anfängen, denn wir haben zu fett gegessen.

3. Tag – Bronzezeit

Dann schickte Slarti Bartfass die GuSp ins alte Ägypten. Der regierende Pharao Tut-ench-Amun feiert Geburtstag – er wird sieben Jahre alt. Aufgabe für die Kids ist es, das Geburtstagsfest zu organisieren. Wenn das nicht gut gelingt, so wird sich der kleine Pharao darüber so kränken, dass er später den Nil trockenlegen lassen würde – das wäre das Ende des alten Ägypten. Bartfass sagt, dass Tut-ench-Amun gerne Teigfladen mit Belag isst. Die Lösung des Problems ist einfach: wir bauen einen Pizzaofen zum bereits vorhandenen dazu und setzen ihm Pizza vor. Damit der viele Müll entsorgt werden kann, errichten die Teufelchen eine Müllinsel.

4. Tag – Eisenzeit

Ein Mitarbeiter von Slarti Bartfass – mittlerweile ist er strafversetzt – ist ins antike Griechenland gereist. Dort hat er Zeus und die anderen Götter so sehr beleidigt, dass sie das Land mit einer Sintflut verwüsten wollen. Durch die Veranstaltung von Olympischen Spielen und einem Kochduell zu Ehren der Götter sollte Zeus wieder besänftigt werden. Doch die griechischen Götter waren derart erzürnt, dass sie auf sportliche Darbietungen wenig Wert legten und straften uns mit Wolkenbruch, Sturmwinden, Hagel, eisiger Kälte und stundenlangem Regen. Wir legten einen Wassergraben rund um unsere Time-Warp-Schlafkojen an und verhinderten, dass diese überschwemmt wurden. Ob es irgendwelche Auswirkungen auf die Zeitlinie gibt, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

5. Tag – Eiszeit

Dieser unglückselige Mitarbeiter von Slarti Bartfass, der mittlerweile auf einer Radarstation in der Antarktis arbeitet, hatte die Time-Warp-Schlafkojen falsch eingestellt! Hoffentlich friert er am Südpol schön durch! Offenbar sind wir in einem Sommer der letzten Eiszeit gelandet. In der Nacht gab es sogar Schneeregen, am Tag nur Regen und Temperaturen unter 10° C. Zu Mittag kochte das GuSp-Team am Gaskocher Schnitzel mit Reis. Das Wetter war so scheußlich, dass wir unsere Schlafkojen kaum verließen und uns die Zeit mit UNO spielen vertrieben. Zum Glück sind auch heute unsere Sachen im Zelt trocken geblieben.

6. Tag – Römerzeit

Diese ungewöhnlich kalten Tage haben unsere GuSp schon etwas mitgenommen – da hatte auch der Slarti Mitleid mit ihnen. Er versetzte sie in die Römerzeit. Am Programm stand der Besuch des Badehauses in St. Veit. Endlich konnten wir uns warm duschen, uns von allen Strapazen der letzten Tage erholen und vier Stunden lang nach Herzenslust schwimmen und herumtollen. Das Wetter ist wieder ein bisschen besser geworden. Am Abend konnten die Kinder endlich ihre Kochstellen wieder benutzen.

7. Tag – Völkerwanderung

Am Morgen erschien wie gewohnt pünktlich das Hologramm von Professor Bartfass. Sein Team hat festgestellt, dass die Zeitlinie bei den Hunnen plötzlich abweicht und schickte die GuSp dorthin. Der Hunnenkönig Attila (Otti) hat soeben im Jahr 451 die Schlacht bei den Katalaunischen Feldern verloren und will nicht mehr. Zwei seiner wichtigsten Verbündeten – der Hunnenführer Arax (Axel) und der Alanenfürst Candax (Stefan) – sind von ihm abgefallen und haben die zwei Totems (Kurzschwert und Bogen) mitgenommen. Da sie längst über alle Berge sind, müssen auch die Teufelchen und die Luchse auf Wanderschaft gehen (= Hike!) und sie suchen. Irgendwann zu Mittag stießen sie auf die abtrünnigen Führer und mussten sie beschleichen, um an die Totems zu kommen. Während die Luchse auf schönen Wanderwegen durchs weite Land zogen, haben die Teufelchen steile Hänge bezwungen und den Hirnkopf bestiegen. Als die Kids herausfanden, dass das Ziel wieder der Lagerplatz war, waren sie etwas angefressen. Nach dem Festmahl, das ihnen Attila servierte (Chili con carne) war alles wieder gut. Arax und Candax haben sich auch wieder dem Hunnenkönig angeschlossen und freuen sich schon darauf, bald wieder plündern und brandschatzen zu dürfen.

8. Tag – Salve Cäsar

Welche Hiobsbotschaft bringt der Slarti Bartfass wohl heute? Bald wissen es alle: Computerabsturz in seinem Labor!! Die Zeitreise führt die GuSp heute ins Jahr 44 v.Chr. Was genau los ist, weiß niemand. Ein Wandanschlag erzählt vom Streit zwischen Cäsar und Brutus im Senat. Der Magistratsbeamte weiß wohl mehr, aber er hat sein Amt geschlossen und macht nur Überstunden, wenn er Brot und Spiele geboten bekommt. Wie kann man das notwendige Brot für eine Beamtenbestechung beschaffen? Zunächst heißt es allerlei wertvollen und weniger wertvollen Kram sammeln und bei der Trödlerin verkaufen. Dann müssen die Kinder mit den erworbenen Sesterzen zum neuen Lebensmittelhändler Usus (Otti) gehen (der ist ein richtiger Wucherer!) und dann was Leckeres kochen.
Der Beamte sagt den GuSp, wo Brutus zu finden ist. Brutus bittet um Hilfe: er hat den Verdacht, dass einer seiner Mitverschwörer das geplante Attentat auf Cäsar verraten wird. Die GuSp sollen herausfinden, wer es ist und wann er das Attentat verrät. Bei zwei Mitstreitern (Leontina und der Gladiatorentrainer Maximus) gibt es Hinweise. Natürlich ist das nicht umsonst: bei Leontina machen die Kinder ein Scubidus bandus (Scoobidoo-Bänder) für das Lagerabzeichen, dann nimmt sie Maximus ins Training (Hindernislauf). Nachdem sie den Brief gefunden haben, wissen sie, dass der Verräter Gaius Intrigantius (gespielt von Axel) heißt und sich um 22.00 Uhr mit dem Hauptmann der Prätorianergarde trifft.
Beim Nachtgeländespiel ist die erste Station die Eingeweideschauerin (Andrea). Diese Hexe hat tatsächlich den Trank des Vergessens parat. Nachdem Intrigantius davon getrunken hat, vergisst er wirklich alles: wer er ist und was er vorhat. Der Ermordung Cäsars steht jetzt nichts mehr im Wege.

9. Tag – Mittelalter

Dieser Tag brachte eine Reise in eine finstere Zeit, und zwar ins Jahr 1194. Der englische König Richard Löwenherz sitzt beim Herzog Leopold von Babenberg (Stefan) in der Burg Dürnstein in Gefangenschaft und soll für ein hohes Lösegeld freigelassen werden. Zwei Leute von Slarti Bartfass, die bereits gekündigt sind, haben dem Babenberger geraten, das Lösegeld zu kassieren und Löwenherz nicht freizugeben. Doch es gibt da etwas, was dem König helfen kann. Herzog Leopold hat schon immer davon geträumt, seine Burg einmal zum Zentrum von Ritterspielen zu machen. Wer hat die größere Kraft, Schnelligkeit und Geschicklichkeit – die Luchse oder die Teufelchen? Bei den Leichtathletikbewerben wird der Durchschnitt der erzielten Weiten für die Patrullen gerechnet.
Beim ersten Bewerb gab es eine hauchdünne Entscheidung: beim Weitsprung rückwärts aus dem Stand schafften die routinierteren Teufelchen einen Zentimeter mehr als die Luchse. Die Teufelchen entschieden auch den Steinwurf für sich und siegten klar beim Schnurdurchbrennen, während die Luchse beim Kegeln, beim Boccia und beim Speerwerfen die Nase vorne hatten. Beim Stand von 3:3 musste nach dem Mittagessen das Stechen im Dreibeinlauf die Entscheidung bringen. Im Zielsprint setzten sich schließlich die Luchse durch. Herzog Leopold war begeistert von dem spannenden Wettkampf!
Nach dem Abendessen gab es einen feierlichen Fackelzug in den Wald für einen besonderen Anlass: Marie machte ihr Versprechen. Nati, Babsi und Ines bekamen die 2. Klasse verliehen.
Am Abend machten die Teufelchen ein sehr nettes Geländespiel. Ein Ferialpraktikant von Slarti Bartfass spielte an der Zeitmaschine und versetzte König Artur und Ritter Lancelot in eine Parallelwelt (keiner weiß, wie er das geschafft hat). Aufgabe für die Luchse: die beiden wieder zurückholen, weil sonst der Tafelrunde das wichtigste Mitglied fehlt. Dazu mussten sie bei der Marktfrau Hinweise sammeln, dann beim Schmied eine Rüstung für einen besonders tüchtigen Ritter von Artur entwerfen, anschließend der Prinzessin die Dusche reparieren und am Ende bei den Feen den Zauberspruch lernen, um Artur und Lancelot wieder ins Mittelalter zu versetzen.
Vor dem Schlafengehen gab es noch etwas zu feiern: den 12. Geburtstag von Babsi. Nach einem „Happy birthday“ musste sie die 12 Kerzen auf einmal ausblasen. Dazu bekam sie einen riesigen Topf Tiramisu.

10. und 11. Tag – Zurück in die Gegenwart

Hat es in der Folge keine Abweichungen von der Zeitlinie mehr gegeben oder war einfach der Empfang gestört – Slarti Bartfass zeigte sich nicht mehr. Am Vormittag konnten sich alle relaxen. Mittags wurde die Kochstelle das letzte Mal benutzt, die Kids schupften fleißig Palatschinken.
Am Nachmittag wurden die Kochstellen bereits abgebaut und die ersten Sachen verstaut. Leider zogen rasch Wolken auf und es folgte ein heftiges Gewitter, so dass wir unser Abschlusslagerfeuer leider nicht veranstalten konnten. Am Abend gab es ein köstliches Folienmenü. Um eine schöne Glut zu bekommen, verheizten wir alles, was wir noch an Holz übrig hatten (das war ein Riesenfeuer!). Nach dem Abendessen flüchtete alles rasch in die Schlafkojen.
Am letzten Tag wird es endlich richtig Sommer! Bei großer Hitze bauten wir nach dem Frühstück die letzten Zelte ab und beluden den Materialbus. Mittags gab es Kaltverpflegung: Brot, Wurst, Streichkäse und viel Obst und Gemüse. Um 13.30 holte das Taxi die Kinder vom Lagerplatz ab und brachte sie zum Bahnhof Friesach. Ich hoffe, die Zugfahrt war für die Kids halbwegs erträglich. Das Sommerlager hat allen trotz des meist schlechten Wetters viel Spaß gemacht!

Geschrieben von: Stefan