Recht spontan wurden wir am Donnerstag, dem 24.9.2015, von unserer Trägerorganisation (Diakonie) verständigt, ob wir noch am selben Nachmittag unsere Gäste aus dem Flüchtlingslager in Traiskirchen abholen könnten. Aufgrund der Größe des Betreuungsteams war die Fahrt schnell organisiert. Mit Hilfe eines arabisch sprechenden Caritas-Mitarbeiters haben wir die uns zugeteilten Personen in Traiskirchen auch rasch gefunden. Es war für uns dabei sehr berührend zu sehen, dass die Bewohner des Flüchtlingslagers in Traiskirchen trotz ihrer vollkommen ungewissen Zukunft, vertrauensvoll und zuvorkommend mit uns, aber auch miteinander umgehen. Autos kommen vorbei, Sachspenden werden abgeliefert und immer wieder kommen Anrainer und versuchen die Menschen vor Ort zu unterstützen.

Es ergab sich am Abend des Eintreffens unserer Gäste gut, dass das Betreuungsteam sowieso Besprechung im Pfadfinderheim hatte. Schnell wurden noch die letzten Dinge erledigt und die ersten gemeinsamen Gespräche mit unseren Gästen geführt. Schon nach den ersten, wenn auch etwas angespannten Augenblicken, stellte sich schnell eine sichtliche Erleichterung sowohl bei unseren Gästen als auch bei uns im Betreuungsteam ein.

Der jüngere Bruder Mohammad ist 16 Jahre alt, sein älterer Bruder Hussein ist 35 Jahre alt und deren Freund Esahak ist 26 Jahre alt, der Cousin von Hussein und Mohammad der noch am Montag folgen sollte heißt Hasan und ist 15 Jahre alt. Esahak kann aufgrund seiner Ausbildung zum Glück sehr gut Englisch und so konnten wir gleich einige Dinge voneinander erfahren. Da das ja unser erster gemeinsamer Abend war, wollten wir unsere Gäste natürlich zuerst einmal in Ruhe bei uns ankommen und erholen lassen, daher zog sich das Betreuungsteam dann rasch zur gemeinsamen Besprechung zurück.

Aufgrund der Spontanität musste für die erste Nacht noch ein wenig improvisiert werden, zum Beispiel ein Schlafsack für die Übernachtung herhalten, da zwar schon die Betten, nicht aber die Decken und Pölster organisiert waren. Allerdings waren unsere Gäste schon vom ersten Eindruck sichtlich begeistert und angetan, sowohl von uns als auch von ihrem Quartier, was aber auch nicht weiter verwunderlich ist, da sie ja die letzte Nacht noch in Traiskirchen im Zelt verbracht hatten. Ihre Dankbarkeit wollten unsere Gäste uns auch gleich unbedingt zum Ausdruck bringen, und so waren wir nicht wenig verwundert nach Abschluss unserer gemeinsamen Betreuungsteambesprechung: Unsere Gäste haben von uns unbemerkt gleich unsere Küche auf Hochglanz gebracht und die Erheiterung aber auch Rührung war im gesamten Betreuungsteam sehr groß.

Nachdem wir gleich am Weg von Traiskirchen nach Wiener Neudorf einen größeren Lebensmitteleinkauf gemeinsam erledigt hatten, waren unsere Gäste auch für ihr erstes Wochenende bestens versorgt. Am Freitag wurden noch Decken und Pölster sowie diverse Kleinigkeiten von uns organisiert und über das erste Wochenende konnte ein wenig Ruhe bei unseren Gästen einkehren.

Aber eigentlich handelte es sich nur um eine kurze Verschnaufpause für unsere Gäste, es galt schließlich viele PfadfinderInnen in Wiener Neudorf kennenzulernen. Unsere Pfadi-Kinder waren natürlich auch schon furchtbar aufgeregt und konnten es kaum erwarten unsere Gäste endlich zu treffen. Schon im Vorfeld war die Aufregung aber auch die Vorfreude unserer Pfadi-Kinder deutlich spürbar und so war die erste gemeinsame Heimstunde mit unseren Gästen für alle natürlich etwas ganz Besonderes.