Wieder hat ein neues Pfadfinderjahr begonnen, nur diesmal deutlich hektischer als normalerweise.

Schon im August, welcher im Normalfall der einzig wirklich pfadfinderfreie Monat im Jahr ist, sind wir im Eltern- und Gruppenrat zusammen gekommen. Anlass war die dramatische Entwicklung der Situation in Syrien und den angrenzenden Nachbarstaaten, welche schließlich eine Flüchtlingsbewegung nach Europa und auch zu uns nach Österreich auslöste. Gemeinsam wollten wir über Möglichkeiten nachdenken, wie wir als Pfadfindergruppe in dieser Situation in unserem direkten Umfeld am Besten helfen können.

Der Eltern- und Gruppenrat war aufgrund der Aktualität der Ereignisse und dem hohen Grad der Betroffenheit sehr gut besucht (ca. 30 Personen) und so ergab sich schnell eine hitzige Diskussion. Vorschläge wurden besprochen und abgewogen und nach einigem Hin und Her wurde die gemeinsame Idee geboren, uns um eine Flüchtlingsfamilie zu kümmern und bei uns im Pfadfinderheim ein wenig zusammenzurücken. Nachdem wir als Verein im Migazzihaus Mieter der Gemeinde Wiener Neudorf sind wurde der gemeinsame Beschluss gefällt, eine diesbezügliche Anfrage an die Gemeinde zu stellen. Außerdem fand sich sich gleich ein gemeinsames Kernteam für die ersten Schritte in diesem ambitionierten Projekts. Das Kernteam aus LeiterInnen und Eltern sollte die Organisation der Betreuung unserer Gäste unter Mithilfe der gesamten Pfadfindergruppe Wiener Neudorf übernehmen.

Ein zu adaptierender Raum war schnell ausgewählt und die wichtigsten Übersiedlungsmaßnahmen für das lagernde Material und die Einrichtung der betroffenen Altersstufe waren schnell koordiniert. Unsere Sanitärräume bestehen schon jetzt aus zwei getrennten Bereichen, einen können wir der Familie zur alleinigen Nutzung zur Verfügung stellen. Die Küche werden wir gemeinsam nutzen.

Als Pfadfindergruppe sehen wir es als unsere Aufgabe, unsere Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zu verantwortungsbewussten Erwachsenen zu begleiten. Ein wichtiger Aspekt dieser Entwicklung ist die Friedenserziehung und das Üben eines friedlichen und rücksichtsvollen Umgangs miteinander. Dabei ist es selbstverständlich, dass wir selbst auch mit gutem Beispiel vorangehen. Wir sehen dieses Miteinander als Chance gemeinsam Vielfalt zu leben und voneinander zu lernen und als Möglichkeit Integration und Inklusion aktiv zu leben.

Es folgten die ersten Treffen des Kernteams und es wurden verschiedenste Aufgaben und Verantwortungsbereiche herausgearbeitet. Bei der Begleitung einer Flüchtlingsfamilie gibt es im Vorfeld natürlich einiges zu organisieren. Wir wollen unseren Gästen schließlich nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten, sondern sie natürlich auch sonst unterstützen, so gut wir können. Neben der Adaptierung eines Raumes, dem Kontakt zu einer Trägerorganisation (Diakonie) gilt es unter anderem auch über medizinische oder rechtliche Begleitung nachzudenken, über einen Deutschkurs oder Kennenlernheimstunden in den einzelnen Altersstufen. Die Herausforderungen sind vielfältig, aber die Motivation aller Beteiligten groß, und so hofften wir auf baldige Nachricht von der Gemeinde.

Die Marktgemeinde Wiener Neudorf unterstützte uns bei diesem wichtigen Projekt und fasste als Eigentümer des Pfadfinderheims in einer Gemeinderatssitzung am 9. September 2015 den für die Unterbringung der Flüchtlingsfamilie notwendigen Beschluss. Nach der Gemeinderatssitzung waren unsere Reaktionen natürlich dementsprechend positiv, endlich konnte es losgehen. Der Raum wurde hergerichtet, in den einzelnen Arbeitsgruppen emsig gewerkt, aber noch gab es keine Rückmeldung von unserer Trägerorganisation (Diakonie). Dies sollte sich am Donnerstag, den 24.9.2015, aber ändern.