Im Sommer dieses Jahres haben wir aufgrund der aktuellen Flüchtlingsthematik den Entschluss gefasst eine Flüchtlingsfamilie bei uns im Heim aufzunehmen und damit ein neues Projekt „Pfadis helfen“ zu starten. Wie das Ganze genau entstanden ist und welche Fortschritte unser Projekt immer wieder macht kannst du hier in diesem Blog nachlesen. Wir werden versuchen laufend „up to date“ zu sein ;-) Falls du irgendwelche Fragen oder Anliegen hast, schreib uns bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wenn du mit Sachspenden helfen möchtest, schau bitte in unsere Spendenliste, was benötigt wird.

 

Es ist jetzt nun ziemlich genau ein Jahr her, dass sich unser Gruppen- und Elternrat gemeinsam dazu entschlossen haben, als Pfadfindergruppe eine Flüchtlingsfamilie zu unterstützen. In diesem Jahr hat sich in Wiener Neudorf viel getan und bewegt, nicht zuletzt durch unser Engagement und darauf können wir als Pfadfindergruppe stolz sein.

Hiermit möchten wir einen kurzen Überblick über den aktuellen Status unseres Projektes geben. Im September 2015 wurden uns von der Diakonie vier syrische Gäste zugeteilt, welche vorerst für einige Wochen im Pfadfinderheim untergebracht waren und aufgrund unerfreulicher Umstände von uns im Anschluss relativ rasch privat untergebracht werden mussten. Dies war nur möglich durch die tatkräftige Unterstützung unseres Elternrates – in diesem Zusammenhang auch nochmals ein herzliches Dankeschön an die Familie Ertl!

Über Integration und Flüchtlinge wird derzeit viel gesprochen und in den Medien berichtet, doch selten wird dieses Wort in der Diskussion wirklich mit Leben gefüllt. Der Prozess der Integration ist langwierig und nicht immer geradlinig und verläuft in unterschiedlichen Phasen, welche individuell sehr verschieden sein können und natürlich zum Teil auch parallel verlaufen. Beeinflusst wird die Dauer des Prozesses vor allem durch die Integrationsbereitschaft der flüchtenden Person und durch die Aufnahmebereitschaft des Aufnahmestaates und der ansässigen Bevölkerung. Es liegt also nicht zuletzt an uns, wie erfolgreich Integration von neuankommenden Menschen verlaufen wird und kann.

Am Anfang eines jeden Integrationsprozesses steht das Ankommen im zukünftigen Aufnahmestaat. In der ersten Phase steht daher vor allem die Deckung der kurzfristigen Grundbedürfnisse und ein „Zur-Ruhe-kommen“ im Vordergrund. Anschließend müssen in einer zweiten Phase sämtliche organisatorischen Herausforderungen bewältigt werden, um einen geregelten Start in den neuen Lebensabschnitt im Aufnahmestaat zu ermöglichen (Sprachkurs, Asylverfahren, Schule/Ausbildung, etc.).

Wir konnten unsere Gäste in diesem Jahr erfolgreich ein Stück des Weges begleiten und sie bei den vielfältigen Herausforderungen nach Kräften unterstützen. Neben der Klärung zahlreicher organisatorischer Fragen (Unterkunft, Meldung, Grundversorgung, Schule, Familienzusammenführung, etc.) haben wir unsere Gäste auch im Asylverfahren begleitet. Esahak und Hussein haben inzwischen bereits einen positiven Asylbescheid erhalten, Mohammad und Hasan haben per Bescheid den Status als Subsidiär Schutzberechtigte zugestanden bekommen. Den Bescheid von Hasan und Mohammad haben wir gemeinsam mit dem Verein Menschrechte bereits beeinsprucht und warten derzeit noch auf eine ebenfalls positive Erledigung dieser beiden Verfahren.

Ein Jahr nach Ankunft unserer syrischen Gäste ist es nun an der Zeit für sie, die nächsten Schritte in ihrem Integrationsprozess zu setzen. Mit Ende August endet die Unterbringung unserer syrischen Gäste in der Mühlfeldgasse in Wiener Neudorf. Derzeit zeigen sich folgende weitere Schritte für die nähere Zukunft unserer syrischen Gäste:

Esahak möchte nach Wien und im Herbst versuchen, sein Studium der Elektrotechnik an der TU Wien fortzusetzen und abzuschließen (Esahak hat bereits vier Jahre in Syrien Elektrotechnik studiert, aber aufgrund des Krieges das Studium nicht abgeschlossen). Derzeit ist er noch auf der Suche nach einem Job zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes. Esahak ist bereits auf der Suche nach einem Platz in einer Studenten-WG, derzeit hat er bereits einen (hoffentlich vorübergehenden) Schlafplatz in einer „Flüchtlings-WG“ in Wien.

Hussein und Mohammad werden vorübergehend zu ihrer Schwester und ihrem Mann nach Wien ziehen, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Mohammad hat dieses Jahr die HBLA in Biedermannsdorf als außerordentlicher Schüler besucht und möchte nächstes Jahr den Hauptschulabschluss machen.

Hasan wird ab September 2016 im Rahmen der Bundesbetreuung (SOS Kinderdorf in Wiener Neudorf) untergebracht. Auch Hasan hat dieses Jahr die HBLA in Biedermannsdorf als außerordentlicher Schüler besucht und möchte nächstes Jahr ebenfalls seinen Hauptschulabschluss machen.

Betreffend unserer irakischen Gäste, die im Pfadiheim leben, gibt es wenig Neuigkeiten. Sie warten weiterhin auf die Ladung für ihre Asylbefragung. Die Kinder sind in Schule und Kindergarten gut integriert und die Eltern lernen Deutsch. Sebe und Suhaib waren mit uns gemeinsam am WIWÖ Lager und Sebe hat bereits ihr Versprechen abgelegt und trägt stolz ihr Pfadi-Halstuch.

Wir möchten an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und allen beteiligten Personen an diesem Projekt ein riesengroßes Dankeschön aussprechen. Jeder einzelne Beitrag ist hilfreich und trägt zum Gesamterfolg unseres Projektes bei. Die Unterstützung unserer syrischen Gäste durch uns soll allerdings in dieser Phase nicht enden. Natürlich möchten wir auch weiterhin unseren Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie in organisatorischen und rechtlichen Dingen so gut wir können beraten und begleiten.

Falls ihr Ideen habt oder Möglichkeiten seht, wie ihr unsere Gäste auf ihrem weiteren Weg unterstützen wollt, würden wir uns natürlich sehr darüber freuen – bitte einfach beim Flüchtlings-Kernteam der Pfadfindergruppe Wr. Neudorf melden. Aus unserer Sicht wären sinnvolle Bereiche vor allem die Unterstützung bei der Wohnraumbeschaffung, Arbeit-/Beschäftigungsmöglichkeiten bzw. Ausbildung, soziale Aktivitäten und Freizeitgestaltung, etc.

Euer Flüchtlings-Kernteam der Pfadfindergruppe Wiener Neudorf

Häufig werden wir in letzter Zeit mit dieser Frage konfrontiert, daher wollen wir für Interessierte untenstehend kurz über die aktuellen Entwicklungen in Wiener Neudorf berichten.

 

Flüchtlinge/Gäste in Wiener Neudorf

  • Aktuell leben 44 Asylwerber/Innen bzw. Flüchtlinge in Wiener Neudorf.
  • Einige davon sind bei Privatpersonen untergebracht und werden von diesen betreut.
  • Eine Firma im IZ NÖ Süd hat Platz geschaffen und 8 junge Männer aufgenommen.
  • Die Pfarre Wiener Neudorf begleitet 2 Familien mit demnächst 4 Kindern, eine junge Dame ist schwanger. Diese beiden Familien sind im ehemaligen mobilen Kindergarten in der Anningerstraße untergebracht.
  • Das SOS Kinderdorf kümmert sich um 7 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Feuerwehrhaus und in der alten Volksschule.
  • Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen bieten Platz für eine 5-köpfige irakische Familie im Pfadfinderheim und 4 mittlerweile privat untergebrachte syrische Gäste.

Mobilität

Alle Gäste in Wiener Neudorf haben ein funktionstüchtiges Fahrrad erhalten. Diese wurden gespendet und auf Kosten der Gemeinde in Stand gesetzt. Die Mobilität und Unabhängigkeit ist für unsere Gäste ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit.

 

Spracherwerb/Bildung

  • 16 ehrenamtlichen SprachbegleiterInnen ermöglichen den Sprachzugang im Alltag bei unseren „Deutschtreffen“. 6-mal pro Woche findet der Deutschunterricht im Seminarraum des Migazzihauses statt.
  • Dieses seit November 2015 laufende Projekt wird sehr gut besucht und hat, unterbrochen durch Ferien- und Feiertagspausen, bisher bereits über 60-mal stattgefunden.
  • Diese eineinhalbstündigen Deutschtreffen dienen den Gästen vor allem als Sprachbegleiter, Wegweiser im Alltag und auch als Plattform, um sich gemeinsam mit den SprachbegleiterInnen über unterschiedliche Werte und Ansichten auszutauschen.
  • Ganz aktuell werden auch zwei Mathematiktreffen pro Woche angeboten. Ziel hierbei ist es, besonders Schüler/Innen bei der Erreichung des Hauptschulabschlusses zu unterstützen.
  • Außerdem wurde ab Jänner 2016 ein wöchentlicher Volkshochschulkurs mit dem Niveau A1, Deutsch als Zweitsprache, im Migazzihaus eingerichtet. Dieser Kurs umfasst 3 Wochenstunden, dieses Angebot wird von unseren Gästen ebenso mit viel Enthusiasmus genützt und hat bis Ende Februar bereits acht Mal stattgefunden. Die Finanzierung dieses Volkshochschulkurses erfolgt durch die Marktgemeinde Wiener Neudorf.
  • Neben dem freiwilligen Unterricht besuchen alle Kinder den Kindergarten oder die Volksschule in Wiener Neudorf, 2 Jugendliche gehen in die HLW in Biedermannsdorf, ein Jugendlicher besucht eine Schule in Schwechat und ein Mädchen ist in der Jakob Thoma NMS. Außerdem gibt es einen HTL-Schüler und einige die ihren Hauptschulabschluss nachmachen.

Vernetzung

  • Bei den monatlichen Vernetzungstreffen unter Flüchtlingen/Gästen, Unterkunftgebern und Interessierten gibt es die Möglichkeit sich auszutauschen und auch zur gegenseitigen Hilfestellung.
  • Beim 5. Vernetzungstreffen wurde auch ein kleiner Flohmarkt aufgebaut, bei dem die Gäste alles Benötigte mitnehmen konnten.
  • Bei einem dieser Vernetzungstreffen hat Gemeindeärztin Dr. Elisabeth Stadter über die Grundlagen der österreichischen Basis-Impfungen informiert und falls notwendig und von unseren Gästen gewünscht, die fehlenden Impfungen direkt vor Ort nachgeholt.

Freizeitaktivitäten

  • Auch in vielen der Wr. Neudorfer Vereinen sind die Gäste mittlerweile tätig und gut integriert.
  • Sie besuchen die Musikschule, sind Teil der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neudorf, Mitglieder im Fitnessverein Wiener Neudorf, spielen beim Fußballverein oder malen beim Malkreis Kunstimpulse.
  • Einige Gäste sind auch bereits Mitglieder bei den Pfadfinder und Pfadfinderinnen Wiener Neudorf.
  • Sie haben dadurch die Möglichkeit ihren Fähigkeiten entsprechend ihre Freizeit zu gestalten und auch in direkten Kontakt mit der lokalen Bevölkerung zu kommen.

Asyl

Ganz aktuell laufen die Asylbefragungstermine. Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Wiener Neudorf haben unsere Gäste darauf vorbereitet und begleiten sie auch durch das Verfahren. Einige der in Wr. Neudorf lebenden Gäste haben bereits ihren positiven Asylbescheid erhalten.

 

Weitere Schritte

  • Die Begleitung unserer Gäste in die Selbständigkeit ist das übergeordnete Ziel unseres Engagements. Die laufenden Aktivitäten werden fortgesetzt und auch neu auftretenden Herausforderungen werden wir uns gemeinsam stellen.
  • Die nächsten großen Ziele sind sicher die Begleitung in die Erwebstätigkeit und die Hilfe bei der Suche nach leistbarem Wohnraum.
  • Wir haben als Pfadfinder und Pfadfinderinnen Wiener Neudorf die Organisation der Deutschtreffen und die Vernetzungsarbeit übernommen. Wichtig ist auch der Kontakt über die Gemeindegrenzen hinweg, wir stehen auch in gutem Kontakt zu Initiativen in Biedermannsdorf, Laxenburg, Mödling und Münchendorf.
  • Die Begleitung der Gäste ist nur mit vielen freiwilligen HelferInnen und durch die tatkräftige Unterstützung der Gemeinde Wiener Neudorf möglich. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle allen Personen, die Ihre Zeit, Energie, Motivation und Ihr Wissen zur Verfügung stellen.

Wie wir bereits in unserem Blog-Beitrag vom 18.12.2015 zu den Grundlagen des Asylverfahrens in Österreich festgehalten haben, konnten alle unserer Gäste das Zulassungsverfahren zum Asylverfahren bereits positiv abschließen (=Erhalt der weißen Karte). Mit dem Abschluss des Zulassungsverfahrens beginnt das eigentliche (inhaltliche) Asylverfahren in Österreich. Das Ziel des inhaltlichen Asylverfahrens ist dabei die Überprüfung durch die Behörde, ob im individuellen Asylverfahren ein Fluchtgrund gemäß Genfer Flüchtlingskonvention vorliegt oder nicht.

Im Laufe der letzten Wochen sind nach und nach sämtliche Befragungstermine per Bescheid (Zustellung als RSA-Brief per Post) an unsere Gäste rechtsgültig zugestellt worden, die Befragungen finden in den nächsten Wochen bzw. Monaten statt.

Da insbesondere im Bereich des Asylrechts zahlreiche Halb-/Falschinformationen in den Medien aber auch zwischen unseren Gästen ausgetauscht werden, herrscht im Zusammenhang mit dem Asylverfahren und den damit verbunden Rechtsfolgen häufig einiges an Verwirrung. Aus diesem Grund haben wir uns als Verein dazu entschlossen, unsere Gäste im gesamten Verfahren zu begleiten und so gut wir können darauf vorzubereiten.

In diesem Zusammenhang helfen uns natürlich auch die große Anzahl an aktiven PfadfinderInnen in Wiener Neudorf und die damit vorhandenen Kenntnisse bzw. Berufsausbildungen in unserem Betreuungsteam. Nachdem ich mich im Rahmen meines Studiums an der Wirtschaftsuniversität Wien in der Studienrichtung Wirtschaftswissenschaften mit dem Studienzweig „Wirtschaft & Recht“ zunehmend auf Wirtschaftsrecht spezialisiert habe, fiel mir die Einarbeitung in das österreichisches Asylrecht natürlich deutlich einfacher. Dennoch habe ich bzw. haben wir in den letzten Wochen zahllose Stunden damit verbracht, die vorhandene Rechtslage bzw. die einschlägigen Materiengesetze (Fremdenpolizeigesetz, Asylgesetz, Meldegesetz, etc.) durchzuarbeiten und uns im Rahmen externer Vorträge von asylrechtskundigen Personen diesbezüglich noch vertieft zu informieren.

Zwei Umstände erschweren die Einarbeitung in das österreichische Asylrecht für Interessierte massiv. Einerseits die Tatsache, dass aufgrund diverser Umstände zahlreiche Verfahrensschritte bzw. Rechtsfolgen in der Praxis anders ablaufen als im jeweiligen Gesetz definiert (vor allem auch aufgrund der Vielzahl von Asylverfahren derzeit). Andererseits verändert sich die Situation laufend aufgrund diverser aktueller, politischer Diskussionen und Maßnahmen auf Landes- bzw. Bundesebene.

Bereits im Februar 2016 haben wir daher einen gemeinsamen Termin mit allen interessierten Gästen bzw. UnterkunftgeberInnen zur Vorbereitung für die Asyleinvernahme im Migazzihaus veranstaltet. Hier wurden vor allem unseren Gästen die wesentlichen Einvernahmethemen und –abläufe nähergebracht und unsere Gäste konnten individuelle Fragen zu Ihrem Verfahren stellen. Im Anschluss an diesen Termin wurde eine Zusammenfassung der wesentlichen rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen an die QuartiergeberInnen versandt.

Mit der irakischen Familie, die im Migazzihaus untergebracht ist, und mit den syrischen Gästen der Pfadfindergruppe Wiener Neudorf haben wir auch im Vorfeld zum tatsächlichen Asyleinvernahmegespräch individuelle „Probeeinvernahmen“ durchgeführt, um die vorhandene Nervosität bei unseren Gästen ein wenig zu reduzieren.

Die ersten beiden Asyleinvernahmegespräche mit zwei unserer syrischen Gäste hat bereits letzte Woche in Traiskirchen stattgefunden, Ergebnisse werden im Nachhinein den Gästen per Post zugestellt.

Bereits bei Ankunft unserer Gäste im September haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir Ihre Integration am besten unterstützen können. Allen war klar, dass dafür das Erlernen der deutschen Sprache das wichtigste Kriterium sein wird. Leichter gesagt als getan… Gleich anfangs bekamen wir nämlich mit, dass viele unserer Gäste nicht einmal wirklich unsere Schriftzeichen beherrschen. Eine weitere Erkenntnis war auch, dass wir ohne EDV-Unterstützung nur sehr mühsam miteinander kommunizieren können, und dass es extrem wichtig wäre, unseren Gästen Internetzugang und PCs zu Verfügung stellen. Wir mussten die Möglichkeit schaffen Wörter / Ausdrücke übersetzen zu können und so die Sprachbarrieren zu reduzieren.

Auf der Suche nach EDV-Unterstützung fragten wir bei Raiffeisen an, die sich an vielen Projekten dieser Art beteiligen (z.B. Projekt für unbegleitete Jugendliche und Familien „Haus Roshan“ in Breitenfurt). Bald bekamen wir eine gute Nachricht von Raiffeisen Informatik GmbH. Sie hatten für unsere Jugendliche zwei nagelneue Laptops inkl. Software Lizenzen bereit gestellt. Erfreut nahmen wir die Geräte in Empfang.

Georg nahm die Geräte an sich für die weitere Einrichtung der entsprechenden Benutzerkonten und die Organisation von Bildschirmen und Mäusen. Er organisierte sogar Tastaturaufkleber mit arabischen Schriftzeichen.

Kurz vor Weihnachten war es dann soweit. Im Zuge der Waldweihnachtsfeier wurden die Laptops an die Jugendlichen übergeben. Nun können diese verwendet werden um Deutsch zu üben, wie auch bei der schulischen Bildung weiterhelfen oder sogar eine Hilfe sein, um zu asylrelevanten Themen zu recherchieren.

Nochmals besten Dank an das engagierte Team der Raiffeisen Informatik für die Bereitstellung und die systemtechnische Vorbereitung der Geräte!

Dieser Beitrag soll dazu dienen, einige grundlegende Fragen zum Asylverfahren in Österreich zu beantworten.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Völkerbund, die Vorgängerorganisation der Vereinten Nationen, mit der Entwicklung einer international gültigen Rechtsgrundlage zum Schutz von Flüchtlingen begonnen. Das „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“- wie der eigentliche Titel der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) lautet – wurde am 28. Juli 1951 verabschiedet. Bis heute ist die GFK das wichtigste internationale Dokument für den Flüchtlingsschutz. Die Konvention legt klar fest, wer ein Flüchtling ist, welchen rechtlichen Schutz, welche Hilfe und welche sozialen Rechte sie oder er von den Unterzeichnerstaaten erhalten sollte. Aber sie definiert auch die Pflichten, die ein Flüchtling dem Gastland gegenüber erfüllen muss und schließt bestimmte Gruppen – wie z.B. Kriegsverbrecher – vom Flüchtlingsstatus aus.

Die GFK trat völkerrechtlich am 22. April 1954 in Kraft und wurde durch die Republik Österreich am 15. April 1955 ratifiziert und mit dem Bundesgesetzblatt 1955/55 in den österreichischen Rechtsbestand übernommen. Seit diesem Zeitpunkt bildet das Dokument, das durch das Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. Jänner 1967 ergänzt wurde und auch als „Magna Charta“ des Flüchtlingsschutzes bezeichnet wird, gemeinsam mit der im Verfassungsrang stehenden Europäischen Konvention für Menschenrechte eine richtungsweisende und zentrale Rechtsgrundlage in Asylfragen

Sämtliche Vertragstaaten (derzeit 147 Staaten) der GFK haben sich dazu verpflichtet, Menschen, die in ihrem Herkunftsstaat aus in der GFK definierten Gründen verfolgt werden, Asyl zu gewähren. Aus der GFK ergeben sich fünf wesentliche Elemente des völkerrechtlichen Flüchtlingsbegriffes:

  • Wohlbegründete Furcht
  • Verfolgung im Herkunftsstaat
  • Vorliegen einer der Konventionsgründe: Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische Gesinnung
  • Aufenthalt außerhalb des Herkunftsstaates (bzw. Land des gewöhnlichen Aufenthalts)
  • Fehlen der Möglichkeit oder der Zumutbarkeit der Inanspruchnahme von Schutz im Herkunftsstaat

Der Startpunkt jedes Asylverfahrens in Österreich ist die Stellung eines Antrages auf internationalen Schutz bei einer Sicherheitsbehörde oder einem Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes. Danach erfolgt die Erstbefragung durch die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes unter Einbeziehung eines Dolmetschers, um die Identität, das Alter und den Fluchtweg zu bestimmen.

Die Daten der Erstbefragung werden dann an das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) zur Überprüfung übermittelt. Wenn die Behörde sich für die Prüfung des Asylantrages zuständig erklärt, wird dem/der AsylwerberIn aufgetragen, sich in einer Erstaufnahmestelle oder einer Regionaldirektion zu melden. Mit dem Abschluss des Zulassungsverfahrens beginnt das eigentliche Asylverfahren vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl.

Im Asylverfahren in Österreich ist die erste Instanz entweder das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl oder eine Regionaldirektion bzw. eine Erstaufnahmestelle. Im Falle eines negativen Bescheides der Erstinstanz kann eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben werden. Nach einem negativen Bescheid der Zweitinstanz gibt es noch die Möglichkeit zur Revision vor dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) bzw. zur Erhebung einer Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof (VfGH) entsprechend der allgemeinen Verfahrensregeln.

Das Asylverfahren kann zu mehreren Ergebnissen führen:

  • Zuerkennung des Status des Asylberechtigten
  • Zuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten
  • Zurückweisung des Asylantrages wegen Zuständigkeit eines anderen Dublin-Staates, bereits entschiedener Sache oder Drittstaatsicherheit
  • Abweisung des Asylantrages
  • Bei Abweisung des Asylantrages kann die Ausweisung aus verschiedenen Gründen vorübergehend oder auf Dauer für unzulässig erklärt werden

Zur voraussichtlichen Dauer des Asylverfahrens gibt es sehr unterschiedliche Angaben und Erfahrungswerte, die durchschnittliche Laufzeit liegt in Österreich in etwa zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Wir hoffen, dass das Asylverfahren unserer Gäste möglichst rasch abgeschlossen werden kann, um weitere wesentliche Integrationsmaßnahmen (zB Arbeitsplatz, selbstfinanzierte Unterkunft) gemeinsam voranbringen zu können.

Nachdem sowohl unsere syrischen als auch unsere irakischen Gäste den ersten Teil des Asylverfahrens (Zulassungsverfahren) bereits erfolgreich abschließen konnten, wird im nächsten Schritt eine Ladung zu einer weiteren Befragung durch das BFA zugestellt (Zeitraum in etwa drei Monate). In diesem zweiten und ausführlicheren Befragungsgespräch werden die Gründe für den Antrag auf internationalen Schutz des/der AsylwerberIn genauer abgeklärt. In einigen Fällen, insbesondere bei syrischen AsylwerberInnen, wird bereits im Rahmen dieses Befragungsgespräches ein positiver Asylbescheid durch das BFA ausgestellt.